Die Bühnenshow "Voll Erwischt" (Premiere 2002)

          

Dieses Bild schickte mir eine liebe Freundin.

Danke Jasmin!!!!

 

Vielfältigste Typen und Figuren nicht nur mit musikalischer, sondern auch erstmalig mit  Video-Untermalung.  An dieser Stelle auch einen speziellen Dank an www.Bodycult.de

Danke an Holger Wettstein, meinen Textschreiber  und Komponisten- super Leistung!

„Voll Erwischt“

von Gisela Berger

Sonnabend, 1. Juni 2002, Premiere der Show „Voll Erwischt“ im Badecafé des mondänen Kurortes Bad Elster.

Der Vorhang öffnet sich. Im Rampenlicht erscheint ein zauberhaftes Wesen: Die betörende Gina tritt hinaus auf die Bühne. In einem blauen, vorn breit geschlitzten Glitzerkleid steht sie da und trägt einen riesigen Kopfputz aus gelben und blauen Federn. Die etwas „gesetzte“ Dame, die zuvor auf der Videowand neben der Bühne ihre Ansage gemacht hat, kann eine gewisse Ähnlichkeit mit ihr nicht verhehlen. Elegant zeigt Gina Bein; viel Bein, wohlgeformt in hochhackigen, silberfarbenen Pumps. Mit ihrem atemberaubenden Anblick hat sie schon jetzt nicht nur mich „Voll Erwischt“.

„Töne im Raum, ein schöner Traum ...“ Die Singstimme klingt sanft und sehr erotisch. Doch nun zieht die Videowand erneut meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Reigen exotischer Blüten mit Urwaldflair im Hintergrund kündigt die nächste Nummer an: „Feucht und heiß“. Mit Kleid im Tigerlook und einem Babytiger auf der Schulter entfacht Gina Urwaldfantasien, um sogleich mit neuem Outfit die nächste „tierische“ Nummer zu präsentieren: „Ich bin zwar eine blöde Kuh ...“

Aber tierisch soll es nicht bleiben: „Männer mit Silber im Haar“ machen Gina’s Träume nun wahr. Mit lang herabwallendem Haar geht die Blondine ins Publikum, um die Herren mit den silbergrauen Schläfen mit heißen Küssen zu verwöhnen.

Betörend aber ist nicht nur die blonde Gina. Schwarzhaarig, im schwarz glänzenden hautengen Kleid präsentiert sie nach einer Conférence lasziv und mit verführerischem Hüftschwung „Erotic Art“. Sofort liegt knisternde Spannung im Raum, und diese scheint sich noch zu verstärken, als Gina mit „langen Zähnen“ vampirhaft nach „jungem Blut“ lechzt. Doch ausgeblutet und mit zitternden Knien muss keiner heimgehen. Im Gegenteil: „Heiß wie im Fudschijama“ wird nicht nur mir beim Anblick des herrlichen Kostüms dieser gleichnamigen Shownummer, die unbestritten einen der Höhepunkte markiert. Das Kleid wurde nach Vorlagen und Ideen des Künstlers gearbeitet und ist eines der wenigen (oder gar das einzige), das er nicht selbst genäht hat. Es zu beschreiben würde heißen, allen anderen Kostümen „die Show zu stehlen“; denn sie alle - ob originell, wie das mit Zeitungsmeldungen bedruckte, oder elegant als Hauch in Blau - sind Träume aus durchsichtig zarten Stoffen, Rüschen, Federn und Pailletten und haben ebenfalls diese uneingeschränkte Würdigung verdient. Doch nicht nur die Augen sollen auf ihre Kosten kommen, man muss die Show mindestens zweimal sehen und hören, um die neuen Texte und Melodien von Holger Wettstein aufnehmen zu können. Aber die Zeit rennt, und allzu schnell erscheint wieder die „gesetzte“ Dame, die sich nun als Gina outet, auf der Videowand, um am Ende der Show zurückzublicken auf zehn Jahre Profilaufbahn. In einem Fernsehausschnitt treten noch einmal Gina und ihre ehemalige „Partnerin“ Mandy hervor, um in ihrem Song frech und „bärenstark“ zu behaupten: „Das sind Waffen einer Frau, jeder Mann kennt sie genau...“

Auch Gina hat, wie viele ihrer „Kolleginnen“, ein großes Vorbild: das unvergessene Travestie-Duo „Mary & Gordy“! Ebenso wie diese schminkt sie sich auf offener Bühne ab. Das legendäre Abschlusslied „So leb’ dein Leben“ greift nicht nur mir ans Herz.

Zurück bleibt Jens Seibert, der auch als Mann, dunkelhaarig, im glänzendgrauen Jackett mit eleganten schwarzen Aufschlägen einen höchst attraktiven Anblick bietet. Und der donnernde Applaus beweist es ihm: Seine Show hat sein Publikum nicht nur mitgerissen, sondern „Voll Erwischt“!

Vielen Dank an Gisela Berger, Autorin des Buches Gordy- Erinnerungen an einen Clown, für diesen Bericht zu meiner  Show.

 

Jens Seibert/Gina im Interview mit Jasmin Hoffmann (Künstlerin und Maskenbildnerin aus Wien)

1.            Du bist nun schon eine kleine Ewigkeit als Gina unterwegs und hast mittlerweile einige energiegeladene und phantasievolle Beiträge zum nationalen und internationalen Travestiegeschehen abgeliefert. Unter welchem Titel steht dein neuestes Werk und was dürfen wir uns als Zuschauer von diesem Programm erwarten?

„Voll Erwischt" heißt das neue Programm. Das kann man teilweise auch wörtlich nehmen, da ich das eine oder andere Thema auf die Schippe nehmen werde.

2.            Wie viele Programme sind eigentlich in den letzten Jahren deiner Feder entsprungen?

Oh je ... schon einige! Manche ganz neu, manche halb und halb. Auf alle Fälle schon einige.

3.            Bist du der Meinung, dass sich deine neue Show sehr von den bisherigen unterscheidet oder ist es einfach "nur"  wieder ein Schritt nach vorne in deiner Künstlerlaufbahn?

Ich denke schon, dass sich diese Show von den vorherigen unterscheidet. Noch nie habe ich so viele völlig verschiedene Rollen gespielt. Darunter eine Außerirdische, eine Kuh, ... einfach alles Mögliche und Unmögliche. So vielfältig die Charaktere sind, ist diesmal auch die Musik. Dennoch werde ich immer Gina bleiben.

4.            Das heißt Gina ist die Figur, die du erschaffen hast, die dann auf der Bühne wieder in neue Rollen schlüpft!? Somit fast schon eine doppelte Verwandlung wie bei Viktor/Viktoria.....

Nun ja, Gina versucht nicht sich als Mann zu verkleiden. Das würde ihr niemand abnehmen. Ich muss sagen, so weit hab ich noch nicht mal drüber nachgedacht, doch so gesehen ist das richtig. Ich werde Gina und sie wird wieder jemand anders. Ich glaube, das muss ich mir noch mal richtig durch den Kopf gehen lassen :-)

5.            Du verwendest auch immer wieder Elemente, die für klassische Travestie eher untypisch erscheinen. Würdest du sagen, dass "einfache" Playback- Travestieshows in der heutigen Ideenvielfalt schon zuwenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen?

Ich verfolge nicht die Absicht, eine typische Travestie-Nummer auf die Bretter zu bringen. Ich denke immer daran, dass da eine Frau auf der Bühne steht, die versucht die Menschen zu unterhalten. So entsteht eine typische Gina - Show. Jedoch finde ich es gut, dass Travestie nicht Travestie ist. Immerhin haben alle Menschen andere Interessen und somit sollte es auch für jeden Geschmack was geben.

6.            Mit deinem ehemaligen Bühnenpartner Andre bist du eine lange Zeit als "Gina und Mandy" aufgetreten. Empfindest du es angenehmer als Duo zu arbeiten oder als Solokünstler durch die Lande zu ziehen?

Wenn ich die alten Videos ansehe, macht das schon traurig. Solo habe ich ganz andere Perspektiven. Ich kann intensiver auf mein Publikum eingehen. Mit Bühnenpartner hatte ich natürlich auch mehr Zeit zum Umkleiden und auch die Nummern zu zweit haben immer sehr viel Spaß gemacht. Aber ich muss sagen, ich habe mich solo so weit eingeschossen, dass ich nun auch nicht mehr anders will. Doch man soll ja auch nie „Nie“ sagen.

7.            Apropos Duo: Du zählst ja Mary & Gordy zu deinen Vorbildern und sie beeinflussen auch immer wieder deine Arbeit. Was waren deiner Meinung nach die Gründe, warum gerade die beiden den Sprung nach oben geschafft haben, obwohl es bestimmt noch genügend Künstler mit dem selben Talent und Potential gab und gibt?

Talent und Potential sind das eine. Doch man muss das auch in die Realität umsetzen können. Natürlich war sicher auch sehr viel Glück dabei. Sie waren eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dennoch waren und sind sie unumstritten meine Nummer Eins im Travestiegewerbe.

8.            In deiner neuen Show tanzt sozusagen "alles nach deiner Pfeife", denn Du bist ja von der Herstellung der Kostüme bis zum Make-up für alles selbst verantwortlich und somit ein richtiges Allround-Talent.

Das ist für mich ja nichts Neues. Ich habe schon immer alles im Alleingang bestreiten (müssen). Dazu muss ich sagen, dass ich auch darauf sehr stolz bin. Immerhin habe ich mir auch alles selber beigebracht. Das klingt vielleicht arrogant, doch ich kann wirklich von meiner Arbeit reden. Ausgenommen die Musik. Ich habe einen Komponisten und Texter, Herrn Holger Wettstein, ohne den ich nie so weit gekommen wäre.

9.            Wie lange dauert es ungefähr von der ersten Naht bis zum fertigen Programm?

Kommt drauf an. Manche Idee reißt mich so weg, dass ich das Kostüm binnen einer Nacht fertig habe. Es gibt auch andere Nummern, für die sitze ich ewig.

10.          Zu deinen Leidenschaften zählt ja auch das Zeichnen, auf dem Papier genauso wie auf dem "lebenden Model"....dem Gesicht. Worin liegen deiner Meinung nach die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Medien?

Beides habe ich sehr vernachlässigt, da es meine Zeit einfach nicht mehr zugelassen hat. Da ich auf dem Papier nur mit Bleistift zeichne und im Gesicht ja Farbe verwende... schon mal der. Des weiteren, beim Schminken kann man einiges hervorheben oder zurücktreten lassen, doch nicht viel mehr. Zeichnen hingegen ist dann doch schon eher Schönheitschirurgie, da man einfach alle Möglichkeiten hat.

11.               Travestie ist die Kunst der Verwandlung, somit ist das richtige Make-up ein wichtiger Teil dieser Symbiose. Was fasziniert dich an den Pinseln und Paletten, die dir zu einem perfekten Gesicht verhelfen, besonders?

Danke für das Kompliment! Die Frage beantwortet sich schon fast selber. Die Verwandlung ist schon enorm. Man nimmt eine neue Persönlichkeit an. Mit dieser ändert sich das Auftreten und teilweise auch der Charakter. Das ist schon spannend. Auch noch für mich.

12.          Wie viel hat Gina eigentlich noch mit Jens zu tun? Würdest du sie als eigenständiges Wesen betrachten oder mehr als so etwas wie deine zweite Seite?

Schwierige Frage. Ich sag’s mal so- Gina hat nicht viel mit Jens zu tun, doch Jens viel mit Gina. Ich bin privat sehr gern Mann. Unrasiert in Lederhosen und auch sonst eben so gar nicht weiblich. Doch ohne Gina, man(n), das wäre öde. Ich denke schon, sie ist eine Art Freundin, die auch gern mal das sagt, was ich nie aussprechen würde. Darüber bin ich ihr sehr dankbar.

13.          Deine aufwendig frisierten Perücken haben jede nur erdenkliche Farbe, trotzdem bevorzugst du "wenn es darauf ankommt" dann doch blond. Hat sich das mit der Zeit so ergeben oder hast du dich von Anfang an mit der blonden Sexbombe identifiziert?

Blond ist nicht nur eine Farbe. Blond ist auch ein wenig Lebensart. Ob das nun immer sexy ist? Auf alle Fälle, sagte man mir, sieht es freundlicher aus. Na und wer möchte nicht dem Publikum gefallen?

14.          Da wir gerade bei der Sexbombe sind: Findet man in deinem neuen Programm auch Starimitationen wie Marilyn Monroe oder die Dietrich, und wie weit darf man deiner Meinung nach bei Nachahmung oder Parodie eines Stars gehen?

Nein, das habe ich nicht vor. Ich finde Imitationen sollen gut sein, oder man lässt es. Natürlich werde ich auch in Zukunft mal eine Star-Parodie aufnehmen. Doch wann und was? Gordy sagte zu mir, eine Parodie sollte die Fehler und Makel zeigen, doch nie den oder die Künstlerin beleidigen.

15.          Mit dem Gedanken an alle Stars und Sternchen (und solche, die es gern sein möchten) beenden wir dieses Gespräch und wünschen dem Travestie-Stern Gina toi, toi, toi für die Premiere des neuen Programms!

Vielen herzlichen Dank für das Interview.