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Gina:
"Typ - ich Frau"
Wie auch schon die vorangegangene Show "Voll erwischt"
zielt Ginas neue Show "Typ - ich Frau" genau ins Herz
und auf die Lachmuskeln des Publikums. In den verschiedensten
Charakteren beweist der Künstler Jens Seibert alias Gina seine
Wandlungsfähigkeit. Gleich zu Beginn allerdings räumt er
singend ein, er stehe schließlich als "Mann seine Frau auf
der Bühne". Nachdem so die Fronten geklärt sind, geht es
richtig los. Ein grün schimmerndes Paillettenkleid umgarnt
Ginas wohlgeformten Körper, während sie elegant und geziert
auf die Bühne stöckelt. Der mächtige Tüllmantel gibt dem
stilgerechten Kostüm den letzten Schliff. Als
"Powerweib" im roten Lackoutfit wirbelt Gina
enthusiastisch über die Bretter die die Welt bedeuten. Sie
bringt ihr Publikum durch gekonnte Sprüche auf sympathische
Weise zu einem (Stimmungs-) Höhepunkt. Schlagfertigkeit ist
zweifellos eine Ginas Stärken. Bemerkenswert an dieser Stelle
ist, dass Gina, die ihr Publikum vor der Show im Allgemeinen
nicht kennt, es dennoch sehr individuell und spontan einbindet.
So muss schon der eine oder andere Gast "dran glauben"
und sich von Ginas wohl proportionierten Reizen betören lassen.
"Keine Sorge, ich beiße nicht - nur auf Wunsch!"
beruhigt sie, kokett lächelnd einen Gast, während sie auf der
Suche nach einem "Mann mit Muskeln" ist. Im nächsten
Moment schon ist sie hinter der Bühne verschwunden und wirft
sich in atemberaubender Geschwindigkeit in eine andere Rolle. Während
der gesamten Show, so auch in diesen Zwischenzeiten, laufen auf
der großen Leinwand eigene Videos, die das jeweilige Thema
untermalen. So schnell sich Ginas Kostüme ändern, ändert sich
auch der Charakter, den sie darstellt. "Ich werde Gina und
sie wird wieder jemand anders." so Jens Seibert. Das ist
es, was eine Gina-Show von den anderen Shows unterscheidet.
"Publikumsliebling" ist "Susi", das kleine
blonde Mädchen, welches in einem pinkfarbenen Rüschenkleid und
Ballettschuhen über ihre Probleme mit den Jungs im Kindergarten
berichtet, denn "mit Jungs hat man's schwer". Keine
Probleme mit den Männern scheint "Winnitunt", der
schwule Indianer, zu haben, der sich beim Reiten auf dem
nackten Pferderücken vergnügt. Gefordert wird das Publikum
wieder, als Gina als "Schönheitskönigin" vom Wörthersee
zum Schunkeln einlädt. Schließlich geht es ans eingemachte,
denn "jetzt kommt der Sex". Jede Pointe sitzt perfekt.
Die Erfahrung zahlt sich offensichtlich aus, denn Jens Seibert
feiert in diesem Jahr sein 15. Bühnenjubiläum. Die "Lady
der einsamen Nächte" entführt das Publikum in eine andere
Welt, wie aus tausendundeiner Nacht. Beeindruckt von diesem
Schauspiel lehnt sich der Zuschauer auf seinem Stuhl zurück und
lässt sich ganz von Gina und ihren fesselnden Bühnenoutfits
mitreißen. Zum Ende der Show wird es noch ernst und ein wenig
politisch. Als streng blickende Offizierin fragt sich Gina
gemeinsam mit dem Publikum "wo sind die Menschen
geblieben?". Jens Intention hinter dieser Fassade aus
Make-up und Show ist nicht nur zu unterhalten, sondern auch,
kritische Themen anzusprechen, wie Aids oder auch Bushs
Irakpolitik. Etwas bewegen, die Menschen erreichen, das ist es,
was eine typische Show von Gina vervollständigt. Schließlich
jedoch nimmt selbst dieses fantastische Schauspiel, von dem hier
nur einige Charaktere genannt sind, ein Ende. Mit Marys und
Gordys Lied "So leb dein Leben" wischt sich Gina die
Schminke aus dem Gesicht. Fasziniert beobachten die Zuschauer,
wie sich Gina wieder in Jens zurückverwandelt, die Perücke
abnimmt und aus dem Kostüm steigt. Kopfschüttelnd, ungläubig
und manchmal sogar mit Tränen in den Augen blicken sie auf die
Bühne, bevor ein tosender Beifall über eine gelungene Show
ausbricht, die sich allemal mit denen der großen Cabarets
messen kann. Doch wer glaubt, das Spektakel sei nun vorbei, der
täuscht sich. "Einen" hat Gina, die jetzt wieder Jens
ist, noch. "Abgeschminkt". Dieses Lied ist Programm
und lässt einen Abend voller Euphorie, Faszination und purer
Freude ausklingen. Ein ausgeprägter Lachmuskelkater, ein
unbewusstes Lächeln, und auch einige angeregte Gedankengänge -
das ist es, was man als Zuschauer aus der Show "Typ - ich
Frau" mit auf den Heimweg nimmt.
Sonja I. Redeker
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